Samstag, 19. Dezember 2015

Es weihnachtet sehr...


Beim Fest der Kerzen
Hallo Deutschland,
unglaublich wie schnell es ging und in ein paar Tagen werde ich schon mein erstes kolumbianisches Weihnachten feiern. Und dass es auf Weihnachten zu geht ist nicht zu übersehen. 
Mit Jugendlichen aus der Gruppe "Aim"
Zur Zeit läuft etwas, das sich "novena" nennt. Das ist so eine Art traditionelles Gebet mit Liedern, das in den 9 Tagen vor Weihnachten täglich abgehalten wird.
Zum Beispiel in den verschiedenen Projekten mit den Kindern oder auch in dem Conjunto, in dem ich wohne, abends zwischen 8 und 9 in einem kleinen Park.
Plätzchen backen
Mit der Jugendgruppe "Aim" in der ich mitarbeite, haben wir ein Lied einstudiert, das wir dann Mittwoch zur Eröffnungsfeier der novena in der ACJ aufgeführt haben. Da wir uns zum Üben nur zweimal getroffen haben war es auch dementsprechend schief, aber die Kolumbianer waren alle begeistert. 
Weihnachtsfeier
Natürlich hat die Feier mit Tanz geendet, wie könnte es auch anders sein, hier in Kolumbien, wo sich scheinbar die ganze Kultur um tanzen dreht. Egal wo man ist, egal was man macht, man kann sich sicher sein, dass am Ende alle klatschend, lauthals singend und tanzend im Kreis hüpfen. Das finde ich eine echt tolle Sache, denn dabei ist es egal wie gut man tanzen kann oder ob jeder in einer anderen Tonlage singt, es geht einfach darum sich zusammen zu freuen und diese Freude auszudrücken.
Salsa tanzen
Das gleiche gilt auch in der Kirche. Wir gehen hier total gerne mit Freunden zusammen in "lugar de su presencia", denn die Gottesdienste hier unterscheiden sich sehr von denen, die man aus Deutschland gewohnt ist. Gespielt wird nur moderne Musik und man fühlt sich oft wie auf einem Konzert - die Kirche ist riesig - einem Konzert, das fast überschwappt vor Freude und Liebe für Gott. Alle singen und tanzen und freuen sich und einer möge sagen, dass das nicht in eine Kirche passe, aber ich glaube das stimmt nicht, denn in der Bibel st
Highlight im Projekt - Ausflug in den Park
eht ja auch, dass wir Gott loben sollen mit Musik und Tanz und allem was dazu gehört. Und das ist genau das, was die Leute in Kolumbien erfolgreich umsetzen.

Weiterhin verstehe ich mich super mit meiner Gastfamilie. Zwar sehen wir uns gar nicht zu oft - da ich das Haus morgen früh verlasse und abends spät heimkomme - aber die Zeit, die wir zusammen haben genieße ich sehr. Z.b. frühstücken wir an den Wochenenden gerne zusammen und versuchen auch, wenn möglich abends zusammen zu essen. 
In Hogar encuentro Juan Rey
Sonntag, war ich dann mit meiner Gastmutter Marisol und der Schwester Angie Fahrrad fahren in Simón Bolívar, einem riesigen Park, sehr nah bei mir. Das hat mir echt gut getan, endlich mal wieder in so etwas wie Natur zu sein und auch Zeit mit den beiden zusammen zu verbringen. Mein Gastbruder Andrés ist 12 und auch wir beide verstehen uns blendend. Oft reden wir zusammen, arbeiten an meinem rollendem r, was übrigens ganz schlecht klappt, spielen UNO und lachen viel zusammen. Ich fühle mich also echt wohl in diesem Haus und bin gespannt, was wir die nächsten Monaten noch zusammen erleben werden.

Eindrücke aus dem Bus
Da Bogotá so eine große Stadt ist und die meisten Projekte sehr weit im Süden liegen, kann es schon auch mal vorkommen, dass man am Tag 5 Stunden unterwegs ist - 2,5 Stunden hin und 2,5 zurück. Das hört sich zwar total schrecklich an, aber wenn man irgendwann sogar einen Sitzplatz ergattern kann, genieße ich diese Zeit sogar sehr. Ich liebe es schöne spanische Musik zu hören, aus dem Fenster alles zu bewundern oder mich mit meinen Mitvolis über Gott und die Welt zu unterhalten. Viele Frauen hier schminken sich auch im Bus, aber diese Kunst beherrsche ich nicht, denn oft gleicht die Fahrt im Bus einer kleinen Achterbahn. Alles holpert und ruckelt und man muss immer auf einen plötzlichen Stopp vorbereitet sein. Oft muss ich einfach anfangen zu lachen, weil mir das tatsächlich Spaß macht, so durchgeschüttelt zu werden.
Im Projekt Shekinah
Was auch des öfteren im Bus vorkommt, ist das man von Fremden angesprochen wird, die sich einfach interessieren, wo man her kommt und was genau man hier macht. Je weiter man nämlich nach Süden fährt, desto mehr fällt man auf und hebt sich ab. Im Norden, zwischen Businessleuten verschwindet man auch mal in der Masse - bis zu dem Moment, wenn man den Mund aufmacht - aber im Süden sind die Leute eigentlich keine Ausländern gewohnt und so wird man doch des öfteren ziemlich angestarrt.

Projekt "Hogar encuentro Juan Rey"
Jetzt nachdem ich schon 6 Wochen hier bin, merke ich auch, wie ich mich langsam an alle Dinge die hier anders sind gewöhne. Zum einen ist das natürlich gut, so kehrt ein bisschen Normalität und Alltag ein, andererseits möchte ich mir aber auch auf jeden Fall das Staunen über diese andersartige Kultur behalten.
Manche Dinge sind einfach so anders als in Deutschland, dass man auch anfangen könnte sich darüber aufzuregen oder sich an diesen Sachen zu stören.
Im Projekt Shekinah
Doch diese Dinge versuche ich einfach mit Humor zu nehmen und sie als Teil der Kultur und des Lebensstils in Kolumbien anzunehmen und zu schätzen. 
Dass der Taxifahrer beim Fahren nicht angeschnallt ist und während der Fahrt an seinem Handy klebt und Sprachnachrichten macht ist hier ganz normal, ich glaube die Leute wissen gar nicht, was ein Anschnallgurt ist. Jetzt könnte man sich natürlich aufregen und denken, dass in Deutschland so ein Taxifahrer direkt gefeuert werden würde oder man kann es mit Humor betrachten und über diesen Unterschied schmunzeln.
Ellen voll im Einsatz

Schön ist es hier auch, wie schnell man Freundschaft mit anderen Leuten schließt. Morgens wenn ich zum Bus laufe, komme ich immer an einem kleinen Straßenstand vorbei, an dem Süßigkeiten und Getränke verkauft werden. Der Verkäufer hat mich natürlich nach ein paar Tagen aufgrund meiner Haarfarbe wieder erkannt und wir haben angefangen uns zu unterhalten, da er sich interessierte wo ich herkomme. Jetzt werde ich jeden morgen mit einem Lächeln oder einem kleinen Geschenk von seinem Stand begrüßt, mit neugierigen Fragen über Deutschland und einfach guter Laune.
Das ist wieder so eine Sache, bei der man sagen könnte, dass man sich nicht mit Fremden unterhalten soll und ganz arg gut aufpassen muss - was natürlich an manchen Orten und zu gewissen Zeiten auch stimmt - aber für mich ist das einfach ein Teil der kolumbianischen Kultur, den ich sehr schön finde und ich sehe keinen Grund mir davon nicht den Morgen versüßen zu lassen.

Unserer Kater Simba
Jetzt schicke ich viele Grüße nach Deutschland
und wünsche eine schöne und gesegnete Adventszeit
und natürlich auch fröhliche Weihnachten

Liebe Grüße
eure Mathea


Freitag, 4. Dezember 2015

Leben, lachen, lieben und vieles mehr

Hola,
nach langer Zeit melde ich mich auch mal wieder aus dem fernen und wunderschönen Bogota zurück. Seit ich das letzte mal geschrieben habe ist schon wieder einiges passiert und ich fange am besten mit dem Wichtigsten an.
Und zwar wohne ich seit Montag bei einer neues Gastfamilie. Mit der anderen Familie habe ich mich zwar super verstanden, aber es gab einfach einige Schwierigkeiten, bei denen es auch eher kaum Aussicht auf eine Besserung gab. Nach vielen guten Räten, einigen vergossen Tränen und großem Hin und Her, habe ich dann die Entscheidung getroffen mich auf diesen Wechsel einzulassen.
Und bin jetzt unglaublich glücklich und zufrieden mit dieser Entscheidung. Natürlich denke ich, dass es nicht richtig ist, von allen Dingen, die nicht perfekt laufen, wegzurennen, doch die Problematik zu Hause hatte mich einfach zu sehr beschäftigt.
Jetzt seit dem Wechsel geht es mir wunderbar und seit Montag habe ich praktisch Dauer-Gute-Laune und komme aus dem Strahlen gar nicht mehr heraus.
Zu meiner neuen Familie: Meine Gastmutter heißt Marisol und ist ebenfalls in der ACJ, genauso wie ihre zwei Kinder Angie ( 18 ) und Andrés ( 12 ). Für bogotaische Verhältnisse wohnen wir außerdem nicht allzu weit entfernt von der ACJ.


Unendliche weiten

 Mit Maria, Pipe und David beim Ausflug auf Monserrate
Nun zu meinen Erlebnissen und Erfahrungen der letzten Wochen:
Ein Highlight, das nichts mit meiner Arbeit hier in der ACJ zu tun hatte, war unser Ausflug auf Monserrate. Das ist eine riesige, weiße Kirche, die auf einem der bogotaumrundenden Bergen thront und die ganze Stadt überblickt.
Die Wanderung hochwärts dauerte etwa zwei Stunden, wurde aber gefühlt alle zehn Minuten von Foto- und Aussichtspausen unterbrochen. Das lohnte sich aber auch wirklich, denn die Aussicht, die einem der Berg über die Stadt bot, war wirklich atemberaubend.
Bogotá, Bogotá, Bogotá, so weit das Auge reicht. Eine riesige Stadt. Und auch das bisschen Natur, von der wir bei dieser Wanderung umgeben waren, war wunderschön und tat mir unglaublich gut.
Aussicht genießen
Gruppenfoto












Hogar amenser
Ansonsten haben wir in den letzten Wochen noch vollends die restlichen sozialen Projekte der ACJ kennengelernt. 
An einem Tag waren wir in einem der drei Kindergärten der ACJ im Süden der Stadt. In diesem wimmelt es nur so, von 220 Kindern zwischen 6 Monaten und 5 Jahren. Diese Kinder sind natürlich mit ihren großen, dunklen Augen unglaublich süß. Erstaunlich war für mich, dass für eine Gruppe von etwa 20 Kindern, jeweils nur ein Mitarbeiter zuständig ist - für deutsche Verhältnisse einfach unverstellbar. Besonders schön waren die Momente, in den Ellen und ich bei der Einführung in den Kindergarten von Raum zu Raum gegangen sind, und als wir durch die Tür kamen, all die Kinder einfach aufgestanden sind und uns um die Beine gefallen - für die Arme sind sie noch ein bisschen klein ;)
Außerdem waren wir noch in dem Projekt "Hogar encuentro" was Ellen und mir besonders gut gefallen hat. Viel dreht sich hier um Musik, Rythmus, Bewegung und Kreativität, was meiner Meinung den Kinder sehr gut tut.

Essen verteilen natürlich nur mit Haarnetz
Selfie im Projekt Shekinah
Nachdem dann all die Projekte kennengelernt waren, wurde es Zeit einen Arbeitsplan für uns zu Erstellen. Dabei gab es jedoch ein kleines Problem. Und zwar sind seit letzter Woche bis Ende Januar in Kolumbien "Sommerferien". Somit haben wir vier deutschen FSJler uns etwas überlegt, was wir mit den Kindern und Jugendlichen in dieser Zeit in den Projekten tun können. Diese haben nämlich trotz Ferien trotzdem nicht geschlossen, denn es ist ja genau deren Aufgabe, in der Zeit, in der die Kinder und Jugendlichen nicht in der Schule sind, eine sinnvolle und gute Beschäftigung zu bieten.
Beim Theater spielen
Unser Plan ist es, dass wir jeweils in Zweierteams eine Art Jungscharstunde vorbereiten und mit dieser einmal durch alle Projekte durchrotieren, danach die Teams durchwechseln und mit einer neuen vorbereiteten Jungscharstunde erneut einmal alle Projekte abklappern.
Damit haben wir diese Woche jetzt auch schon angefangen und es war wirklich eine unglaublich schöne und bereichernde Zeit.
Meistens waren alle super dabei und hatten merklich viel Spaß - und wir FSJler natürlich auch!
Ich bin sehr gespannt, wie sich das in den nächsten Wochen bis Februar entwickeln wird und freue mich schon immer mehr die Kinder aus den Projekten näher kennenzulernen. Denn diese sind mir wirklich schon sehr ans Herz gewachsen und für mich gibt es nichts besseres, als der Gedanke, dass die Zeit, die ich mit ihnen hier verbringe, tatsächlich meine Arbeitszeit ist!

Hier in Bogotá weihnachtet es mittlerweile auch schon sehr. Alles ist dekoriert und vor meinem Zimmer blinken mich abends die Weihnachtslichter in den Schlaf.
Nur das Wetter spielt nicht ganz mit. Zwar kann es, wenn es bewölkt ist oder gar regnet, sogar ziemlich frisch werden, doch sobald die Sonne rauskommt, bricht T-shirt-Wetter aus.

In die Gemeinschaft hier wurden Ellen und ich übrigens super aufgenommen. Oft ist die Sprachbarriere gar nicht so groß, wie man denken würde und wir fühlen uns sehr wohl in dem Freundeskreis hier. Wenn sich neben der Arbeit in den Projekten und sonstigen Aktivitäten in der ACJ Zeit ergibt, unternehmen wir auch gerne viel zusammen. 
Ob wir durch die Stadt bummeln, einfach so beisammen sitzen und reden oder am Wochenende zu Salsa unsere überschüssige Energie auf der Tanzfläche loswerden, ist egal, wir haben unseren Spaß.

Oft komme ich aus dem Staunen über Bogotá und diese neuartige Kultur gar nicht raus. 
Wenn wir mit den Bussen in die Projekte fahren, die teilweise etwa 2 Stunden, manchmal sogar mehr, entfernt sind, blicke ich oft mit großen Augen aus dem Fenster und bewundere die Stadt. Zwar könnte einer sagen, dass die Häuser mit ihren bröckelnden Fassaden nicht dem Schönheitsideal eines Hauses entsprechen, aber mir persönlich gefällt es unglaublich gut.
Jedes Haus hat eine andere Farbe, überall gibt es kleine Läden und Straßenstände - die wundervolle Köstlichkeiten verkaufen - und viele Wände werden von Wandbildern geschmückt.
Dieses Bild wird aber auch von weniger schönen Anblicken verzerrt. In noch keiner Stadt habe ich so viele Obdachlose gesehen wie hier. Oft sieht man Menschen, wie sie auf dem Grünstreifen der Straße liegen und, mit ihrem Kopf auf einem Eierkarton ruhend, schlafen. 
Armut und Reichtum generell sind hier viel extremer als ich es aus Deutschland kenne. Wobei man sich in manchen Vierteln im Norden der Stadt gar nicht so viel anders fühlt, als in Europa, befindet man sich in den Vierteln im Süden in einer komplett neuen Welt.

Soviel mal von mir heute.
Es gibt noch viel, viel mehr was ich erzählen könnte - oft weiß ich gar nicht wohin, mit all den Eindrücken - aber, das spare ich mir nun für den nächsten Eintrag auf.

Nach Deutschland sende ich tausend liebe Grüße und wünsche euch eine schöne und besinnliche Adventszeit.
Esst ein paar Plätzchen für mich mit.
Also bis bald mal wieder - Hasta luego




























































Sonntag, 15. November 2015

Froh hier zu sein

Froh hier zu sein
Hallo
schon wieder melde ich mich zurück aus dem wunderschönen und mittlerweile meist sonnigem Bogotá.
Diese Woche habe ich schon wieder unglaublich viel erlebt, von dem ich gerne berichten möchte.
Im Moment ist bei Ellen und mir nämlich noch nicht der Alltag eingekehrt und wir sind auch noch nicht direkt am Arbeiten, denn diese und nächste Woche lernen wir erst einmal alle sozialen Projekte der ACJ in Bogotá kennen.

Angefangen hat das am Montag mit dem ersten Projekt - Hogar ameneser.
Nach dem Mittagessen wurden wir von einer hauptamtlichen Mitarbeiterin der Projektes abgeholt und sind mit ihr zusammen etwa 15 Minuten zu dem Haus gelaufen, wo sich die Kinder und Jugendlichen von Hogar ameneser treffen.
Immer die Berge im Blick
Hogar ameneser ist ein Projekt in dem Prostitutionsviertel der Stadt. Hier können die Kinder der Prostituierten oder generell auch Kinder, die in diesem Viertel wohnen, herkommen um zu essen, Hausaufgaben zu machen, zu spielen und einfach auch Liebe und Aufmerksamkeit geschenkt zu bekommen.
Der Weg dahin war für mich eine ganz neue Erfahrung. Die Häuser waren sehr, sehr ärmlich und an jeder Ecke und vor jedem Haus standen Prostituierte mit kaum etwas an.
Die Straßen Bogotás
So etwas hatte ich wirklich noch nie gesehen und war sehr geschockt von dem Anblick. Das Haus aber von Hogar amenser war wie eine Oase in dem ganzenViertel.
Die Kinder dort waren unglaublich offen und liebenswert und man hat richtig gemerkt, wie sich nach Liebe und Aufmerksamkeit dürsten. Ich war nur etwa ein und halb Stunden in dem Projekt, aber habe sie alle unglaublich in mein Herz geschlossen.

Dienstag lernten wir dann ein Projekt kennen, für Jungendliche - Hauptsache Jungen - die gerade wegen verschieden Straftaten auf Bewährung sind. Auch das war eine ganz besondere Erfahrung. Ich war zuvor ziemlich aufgeregt, wie sie wohl auf mich reagieren würden, aber zu meinem Erstaunen waren sie sehr, sehr entgegenkommend und haben mir auch meine schlechten Spanischkenntnisse überhaupt nicht übel genommen.

Cazuca
Stadtteil Cazuca
Mittwoch und Donnerstag lernten Ellen und ich dann die Projekte ganz im Süden der Stadt kennen. Hier in Bogotá ist es so aufgeteilt, dass die Reichen im Norden leben und sich die ganzen Armenviertel im Süden der Stadt sind. Da Bogotá so unglaublich groß ist, muss man zu diesen Projekten fast zwei Stunden mit dem Bus fahren. Hier habe ich zum ersten mal richtige Armut gesehen. Cazuca - das Viertel, in dem wir Mittwoch waren - zieht sich den kompletten Hang der Berge, die Bogotá umrunden, hoch. Die Häuser sind aus Backsteinen irgendwie zusammengezimmert und haben teilweise nur Wellblechdächer. Es gibt auch keine befestigten Straßen und überall, wirklich überall sind Straßenhunde. Da war ich doch froh über meine Tollwutimpfung.
Cazuca
In Bosa, dem Viertel in dem wir Donnerstag waren, sieht es ähnlich aus, nur liegt dieses im flachen Bereich der Stadt.
Sicht auf Bogotá von Cazuca
In beiden Vierteln gibt es ein Haus, in dem sich das Projekt befindet. Hier haben die Kinder die Möglichkeit vor oder nach der Schule - die ist hier nämlich in Schichten - sich aufzuhalten.
Die Kinder hier sind sehr offen und interessieren sich total für einen. Außerdem sind sie auch unglaublich lebensfroh und haben Freude an allen Aktivitäten, die man so mit ihnen macht.
Aber zusätzlich merkt man, wie sie auch für ihr Alter schon ziemlich taff sind. Beide Viertel sind nicht ganz ungefährlich und die Kinder und Jugendlichen müssen deswegen früh lernen, selbstständig mit allem umzugehen.
Bogotá ist wirklich rießig

wunderschöne und leuchtende Farben
Ansonsten geht es mir hier in Bogotá echt gut. Es gibt viele andere ehrenamtliche Mitarbeiter in unserem Alter in der ACJ mit denen wir uns schon gut angefreundent haben und viel zu lachen haben.
Die Mentalität der Menschen hier ist total anders als in Deutschland. Wenn irgendwo eine Musikgruppe Straßenmusik macht, kommt es hier schon öfters mal vor, dass die Leute anfangen dazu zu tanzen, einfach weil sie Spaß daran haben.

Viele Dinge sind hier natürlich auch sehr anders, als wir Deutschen es gewohnt sind.
Das Klopapier darf hier unter keinen Umständen ins Klo geworfen werden und beim Überqueren der Straße muss man wirklich, wirklich aufpassen. Da kommt es durchaus mal vor, dass ich ein paar Minuten am Straßenrand stehe, bevor sich eine Lücke ergibt, um sicher auf die andere Seite zu kommen.
Auch das Licht scheint hier anders zu sein. Das fiel mir sofort auf, als ich an unserem ersten Tag hier aus dem Flughafengebäude kam, aber auch jeden Morgen, wenn ich das Haus verlasse aufs Neue.
Irgendwie wirkt die Farbe des Sonnenlichtes anders und zusätzlich ist es auch viel, viel heller als in Deutschland. Wenn die Sonne scheint, ist man geblendet, ohne überhaupt in die Sonne zu schauen.
An jeder Straßenecke gibt es Stände, die verschiedene Sachen verkaufen, sowie unglaublich leckeres Essen und Fruchtsäfte. Auch in den Bussen werden oft Süßigkeiten oder andere kleine Gegenstände verkauft oder Musik gemacht.
Abends falle ich dann immer todmüde ins Bett, weil ich den ganzen Tag damit beschäftigt bin, all die neuen Eindrücke aufzunehmen und ja nichts zu verpassen.




Dekorieren für die weltweite Gebetswoche, bei der wir natürlich auch teilnehemen





Sonntag, 8. November 2015

Eindrücke aus einer völlig neuen Welt

Hallo!
Ich lebe noch. Und finde jetzt auch einmal Zeit mich hier zu melden
In den letzten Tagen ist so viel passiert, ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll mit Erzählen.
Am besten am Anfang.

Nach einem langen, aber entspannten Flug kamen Ellen und ich etwa um 16 Uhr kolumbianische Zeit in Bogotá an, voller Vorfreude auf die neue Stadt, die uns außerhalb des Sicherheitsbereiches erwarten würde.
Wir wurden von Simon und Peter - unseren 2 Mitvoluntären, die schon seit 2 Monaten dort sind - und zwei Freunden aus der ACJ abgeholt und sind direkt in den CVJM gefahren.

Hier wurden wir herzlich empfangen, aber müde wie wir waren, fiel uns die Kommunikation auf Spanisch noch etwas schwer. Dann wurden Ellen und ich jeweils von unseren Gastfamilien abgeholt.

Meine Familiensituation ist doch etwas anders, als ich es letztes mal erklärt habe.
 Ich lebe nicht mit David Medina und seinem Sohn, sondern mit seiner Tante Monica und ihrer Tochter Luisa, die wie ich 18 Jahre alt ist. Monicas Mann ist leider schon seit einigen Jahren verstorben.
Wir wohnen in einem Stadtteil, der sich Modelia nennt, für kolumbianische Verhältnisse relativ zentral, aber in Bogotá sind die Entfernungen alle etwas anders, einfach weil die Stadt so riesengroß ist.

Mittwoch, Donnerstag und Freitag waren dann jeweils Jugendliche und Junge Erwachsene aus der ACJ "eingeteilt" um mit uns Zeit zu verbingen.

Am ersten Tag gingen wir vormittags mit Nathalie ins Museum von Bogotá und lernten kennen, wie das Transportsystem funktioniert. Das Transportsystem hier ist nämlich so eine Sache für sich. Wenn man in Deutschland denken würde, ein Bus sei zum Platzen voll, passen hier nochmal mindestens 10 Leute rein. Schlimm ist das aber überhaupt nicht, das einzige was man unbedingt beachten muss, ist dass man gerade beim aus- und einsteigen sehr gut nach seinen Sachen schaut, aber daran gewöhnt man sich ziemlich schnell.

Nachmittags waren wir dann zu sechst im Zentrum von Bogotá unterwegs, haben Simkarten fürs Handy gekauft und uns kennengelernt. Hier ist es total toll, wie offen und freundlich alle sind. Obwohl natürlich eine Art Sprachbarriere zwischen uns steht, verstehen wir uns alle super und haben immer eine richtig gute Zeit zusammen.

Achja, zum Thema Spanisch. Klappt eigentlich gar nicht mal so schlecht. Natürlich, wenn die Kolumbianer untereinander reden, verstehe ich kein Wort, aber mit mir reden sie meist sehr langsam und da verstehe ich tatsächlich immer mehr.
Und auch das Reden funktioniert eigentlich ganz gut und es kommt auch ständig zu sehr, sehr lustigen Missverständnissen, wenn ich versuche neue Wörter zu lernen.

Donnerstag haben wir dann unseren kolumbianischen Ausweis beantragt und Ellen und ich haben zum ersten Mal Straßenessen probiert, und entgegen aller Warnungen ging es uns danach super.
Die Mango ist man hier oft mit Salz, was sich nicht gut anhört, aber total lecker schmeckt.
Und auch die Empanadas waren sehr, sehr lecker.
Generell ist das Essen hier sehr lecker. Ich muss mich zwar erst mal daran gewöhnen, viel Reis und auch sehr viel Fleisch zu essen, aber gerade die Früchte hier sind soooo lecker. Außerdem ist man hier auch oft Kochbananen - Plátanos - die unglaublich gut schmecken.

Freitag vormittag habe ich mich dann endgültig in Bogotá verliebt. Da waren wir nämlich in dem Stadtteil Chorro, eine Art Künstlerviertel. Überall in Bogotá - aber hier ganz ausgeprägt - gibt es Graffitis. Aber nicht Graffitis, wie man sie aus Deutschland kennt, sondern wunderschöne Wandbilder,vor denen ich natürlich jedes mal stehen bleiben muss und meine Kamera zücken.
Sie sind einfach zu schön.

Was Bogotá außerdem noch sehr besonders macht, ist, dass obwohl Bogotá eine riiiiiiiiiiiiießige Großstadt ist, sie sehr grün ist. Überall gibt es Bäume - tolle tropische Bäume - und auch einige Parks. Außerdem, da die Stadt ja hoch in den Bergen liegt, hat man immer Blick auf wunderschöne bewaldete Hänge. Oft - da das Wetter hier sehr regnerisch ist - verfängt sich dann der Nebel zwischen den Gipfeln und verleiht dem Ganzen einen wirklich besonderen und schönen Ausdruck.

Nachmittags wollten wir eigentlich noch ein bisschen mehr die Stadt erkunden, aber dieser Plan ist wortwörtlich ins Wasser gefallen. Denn wenn es in Bogotá regnet, dann regnet es wirklich. Aber wenn in Bogotá die Sonne scheint, hat man auch nach etwa 20 Minuten schon einen Sonnenbrand.
Also ihr seht, alles ist ein wenig extremer hier. Aber meiner Meinung nach unglaublich toll.

Samstag war dann so eine Art Mitarbeitertag in der ACJ, und ich wurde in eine Gruppe eingeteilt, die Jugendliche zu ehernamtlichen Mitarbeitern ausbildet. Nach einem langen Vortrag haben wir dann so etwas wie Tabu gespielt, ein Spiel, bei dem man etwas erklären muss, ohne das eigentliche Wort zu sagen. Ihr könnt euch vorstellen wie gut das bei mir geklappt hat, mit meinem Spanisch. Aber die Leute hier stört es überhaupt nicht, wenn das sprechen einem noch etwas schwer fällt, im Gegenteil freuen sie sich sehr, einen kennen zu lernen und bringen einem voller Freude neue Wörter und Redewendungen bei.

Heute ist Sonntag und um 10 Uhr treffe ich mich mit Maria, einer guten Freundin der Familie und wir gehen zusammen mit anderen aus der ACJ in die Kirche "lugar de su presencia".
Danach werden wir dann vermutlich einfach noch zusammen den Tag verbringen, worauf ich mich schon sehr freue, da ich die Leute hier echt schon sehr in mein Herz geschlossen hab.


Hier unten jetzt noch einige Bilder, damit ihr euch ein Bild von allem machen könnte.

Also viele Grüße, und bis bald mal wieder.

Peter, David ( mein kolumbianischer Cousin), Sofia und ich
Regen in Bogotá

Im "jardin botanico"
Nebel in Bogotá

Chicha ist ein traditonell kolumbianisches Getränl
Daniel, Ellen, Ich und Johann im Stadtteil "Chorro"

Früchte, die ich noch nie gesehen hab













Ich, Clarita, Ellen und Johann im Büro der ACJ


ACJ Bogotá
Empanadas
Trans Milenio Station
Innenhof der ACJ

Kostet hier umgerechtet nicht mal einen Euro

Im Innenhof des CVJMs


Mango mit Salz







Ellen, Maria, Laura, Mafe und ich im Zentum Bogotas


Beim Cafe trinken
Museum Bogotá
Museum Bogotá


Muesum Bogotá

Voller Vorfreude


Ertse kolumbianische Bekanntschaften